Kunst braucht Marketing – Marketing braucht Kunst!

Das Museum Folkwang ist weltweit bekannt für seine herausragenden Sammlungen der Malerei und Bildhauerei des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. Hinzu kommen eine umfangreiche Sammlung grafischer Kunst, eine eigene Abteilung für Fotografie und die international wohl einzigartige Spezialsammlung des Deutschen Plakat Museums. Seit Juni 2015 ist der Eintritt in die ständige Sammlung dank einer großzügigen Spende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung frei. Welche strategischen Überlegungen und Herausforderungen sich aus dieser Ausgangslage ergeben, erfuhren die Mitglieder und Freunde des Marketing-Clubs Ruhr bei einem Rundgang von Anka Grosser, Leiterin Kommunikation und Marketing im Museum Folkwang.

„Die allgemeineren Ziele des Museum Folkwang sind die Förderung der Avantgarde, die Pflege, der Ausbau und die Vermittlung der Sammlungen sowie den aktiven Einbezug insbesondere zukünftiger Generationen in die Museumsarbeit“, stellt sie fest. Doch die Ausgangslage habe sich in den letzten Jahren verändert: „Weltweit eröffnen neue Museen, und es finden immer mehr Biennalen statt. Entsprechend wächst die Zahl der Ausstellungsbesuche. Dem gegenüber stehen steigende Kosten bei gleichzeitig rückläufigen Subventionen.“

v.l. H.Piechatzek, Anka Grosser, P. Cristofolini
v.l. H.Piechatzek, Anka Grosser, P. Cristofolini

Um neue Zielgruppen und eine höhere Frequenz der Besuchsintensität zu erreichen, fokussiere sich das Museum Folkwang neben neuen Angeboten im Marketing und Sponsoring daher auf Themen, die eng miteinander verknüpft sind: die eigene Marke, digitale Kommunikation und den Aufbau von echten Partnerschaften  mit Sponsoren. „Eine starke Markenbildung steigert die Attraktivität und lockt neue Sponsoren an. Für beide Seiten ergibt sich daraus ein großer Imagegewinn“, unterstreicht sie.

Die Digitalisierung, auch Social Media, böten vielfältige Anknüpfungspunkte, um neue Zielgruppen zu gewinnen: das traditionell schwer erreichbare Publikum zwischen 14 und 32 Jahren beispielsweise, aber auch internationale Zielgruppen wie Studenten. „Gerade für solche Menschen wird die Möglichkeit, Sammlungen auch virtuell besuchen zu können, immer wichtiger“, stellt Anka Grosser fest. Ebenso müsse das Museum vor Ort ansprechende Angebote für junge Familien, Kinder, Freunde,  die das Museum einfach einmal auf eine halbe Strunde besuchenoder Geschäftsleute, die sich in der Mittagspause treffen, bereithalten. „Museen müssen besucherfreundlich sein sich vom Konzept, ausschließlich Lehranstalt für wenige Kenner zu sein, lösen. Wir sehen uns als ein Ort des Austausches für alle Zielgruppen. Dazu gehört auch, dass wirThemen wie Demenz und Inklusion anpacken.“

Wie bedeutsam die Rolle von Sponsoren bei solchen Plänen ist, zeigt ein Blick auf den Ausstellungsetat. Ein Drittel der Gesamtsumme stammt aus städtischen Mitteln, der Rest finanziert sich aus Sponsoring, Förderung und Spenden. „Jeder Sponsor ist ebenso Markenbotschafter wie Multiplikator, daher gehören auch seine Mitarbeiter zur Zielgruppe des Museumsmarketings.“ Früher sei Förderung, im Gegensatz zum Sponsoring, nicht mit Gegenleistungen verbunden gewesen. Heute seien die Grenzen fließender: „Für ein erfolgreiches  Modell ist die Co-Existenz von Sponsoring, Förderung und Spenden ausschlaggebend.“

Zur Freude aller Kunst-Fans erhielt der Marketing-Club im Anschluss eine exklusive Führung durch die neue Ausstellung von Thomas Struth, „Nature and Politics“, und die spektakuläre Installation des kubanischen Künstlerduos Los Carpinteros.

Unterstützt durch Museum Folkwang