Wie sieht der Arbeitsmarkt der Zukunft aus? Warum ist Employer Branding schon heute wichtiger denn je? Und welche neuen Technologien spielen dabei eine Rolle? Antworten auf diese und weitere Fragen gab es von Top-Speaker Dr. Tobias Zimmermann beim Clubabend der Marketing Pioniere am 7. Februar 2022. Als Evangelist und Arbeitsmarktexperte bei StepStone befasst er sich Tag für Tag intensiv mit den aktuellen Trends und Herausforderungen im HR-Bereich. Initiiert vom Marketing Club Ruhr nahmen Pioniere aus ganz Deutschland an der Online-Veranstaltung teil.

Megatrend Arbeiterlosigkeit

„Wir stehen aktuell vor der vielleicht größten Herausforderung, mit der unsere Wirtschaft und Gesellschaft neben der Klimakrise in den kommenden Jahren zu kämpfen haben“, machte Tobias seinem Publikum deutlich. „Schon seit Jahren zeichnet sich dieser absolute Megatrend ab. Wie ein Gewitter, das sich drohend über uns zusammenbraut: Die Erwerbsbevölkerung in Europa schrumpft. Allein in Deutschland werden bis 2030 mehr als 4 Millionen Erwerbstätige fehlen. Wenn man nun bedenkt, dass wir in bestimmten Bereichen schon seit 20 Jahren einen Fachkräftemangel spüren, können wir nur ahnen, was da in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommt.“

Dr. Sebastian Dettmers, CEO von StepStone, habe für diese Entwicklung den Begriff der „Arbeiterlosigkeit“ geprägt, erzählte Tobias weiter. Im krassen Gegensatz zum bisher geläufigen Konzept der Arbeitslosigkeit müssten Unternehmen ihr Mindset grundlegend ändern, wenn sie in diesem neuen Zeitalter noch am (Arbeits-)Markt bestehen wollen. „Die Positionierung als guter Arbeitgeber ist zum Überlebensfaktor geworden. Material kann ich einkaufen, Fabriken kann ich bauen – aber wenn mir die Menschen fehlen, die die Arbeit umsetzen sollen, dann habe ich ein Problem.“

Womit Unternehmen punkten können

Doch wie gelingt es Unternehmen, sich erfolgreich vom Wettbewerb abzuheben und auch in Zukunft im War for Talents die Nase vorn zu haben? „Die bekannten Wahrheiten in diesem Bereich haben sich seit Jahren kaum verändert“, fuhr Tobias fort. „Das Gehalt ist und bleibt der wichtigste Faktor für einen Jobwechsel. Doch auch sinnhafte Aufgaben, Gestaltungsspielraum bei der Tätigkeit, eine moderne Unternehmenskultur, flexible Arbeitszeiten oder Remote Work sind wichtige Faktoren, mit denen Arbeitgeber heute punkten und ihre Attraktivität steigern können.“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist aus Sicht von Tobias auch der Bewerbungsprozess als solcher. In einer Zeit knapper Talente müsse es den Kandidat*innen so einfach wie möglich gemacht werden, sich zu bewerben. Am besten mit wenigen Klicks, mit vorgespeicherten Daten vom Smartphone aus. Ohne austauschbare Anschreiben oder komplizierte Formulare. „Bewerben sollte so einfach sein wie Online-Dating“, riet Tobias. „Einfachheit und Tempo sind entscheidende Kriterien, aber auch Transparenz spielt eine wichtige Rolle. Wenn ich als Unternehmen von Anfang an klar mache, wie lange der Prozess dauert, welche Schritte die Kandidat*innen zu erwarten haben und – ganz wichtig – mich daran dann auch halte, sammele ich von Anfang an Pluspunkte.“

Mit digitalen Skills in die Zukunft

Doch genügt das, um der Arbeiterlosigkeit die Stirn zu bieten? Wie können immer weniger Menschen es schaffen, die gleiche Arbeit zu bewältigen? Neue Technologien könnten dabei helfen, so Tobias. Man dürfe jedoch nicht den Fehler machen, sie als Allheilmittel zu betrachten. „Die besten Tools bringen nichts, wenn bei den Menschen die Kompetenzen fehlen. Und das ist in Deutschland leider noch massiv der Fall.“ Es sei jetzt an den Unternehmen, mit Nachdruck digitale Skills zu schulen und weiterzuentwickeln. Skills, die die Menschen befähigen, mit neuen Technologien vernünftig umzugehen. Nicht zuletzt könne ein spannendes digitales Weiterbildungsangebot auch ein interessanter Faktor für kleinere Unternehmen sein, die vielleicht keine Top-Gehälter zahlen können.

Auch im Bewerbungsprozess können neue Technologien sehr hilfreich sein. Bei StepStone werden KI und Matching-Technologien bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt, um Kandidat*innen und Unternehmen noch passgenauer zusammenzubringen. Das solle jedoch nicht bedeuten, dass er den Prozess vollständig digitalisieren will, bekräftigte Tobias zum Schluss: „Menschen stellen Menschen ein, keine Maschinen. Digitale Prozesse können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Sie können den Weg dorthin aber massiv beschleunigen.“

Text erstellt durch Maria Leipold – Text. PR. Lektorat.