Wieso die 8 die gefährlichste Zahl der Welt ist, warum die 0,1 eigentlich viel wichtiger ist und was das alles mit Zielvereinbarungen zum Hochzeitstag zu tun hat, verriet Frank Dopheide beim ersten Vor-Ort-Clubabend des Marketing Club Ruhr seit Beginn der Pandemie. Im zur Eventlocation ausgebauten Luftschiffhangar in Mülheim brach er eine Lanze für mehr Kreativität und Marketing an der Spitze deutscher Unternehmen, für Resilienz statt Effizienz, für Mut anstelle von Messbarkeit.

Seit mehr als 30 Jahren ist Frank Dopheide in der Kreativbranche unterwegs – als Werber, CEO und seit diesem Jahr auch als Autor. „Gott ist ein Kreativer – kein Controller“ heißt das Buch, mit dem Dopheide seit diesem Frühjahr deutschen Führungsetagen den Spiegel vorhält. Beim Clubabend sprach er über die Kernthesen seines Buches und stellte sich anschließend im Talk mit Moderatorin Vera Hermes den Fragen der Zuschauer:innen – live vor Ort und zu Hause vor den Bildschirmen.

Die gefährlichste Zahl der Welt

„Die gefährlichste Zahl der Welt ist die 8!“ Damit bezog sich Frank Dopheide auf den Skandal der US-Großbank Wells Fargo aus dem Jahr 2016. CEO John Stumpf hatte damals die Devise ausgegeben, jedem Kunden 8 verschiedene Produkte zu verkaufen. So sollte die Kundenbindung bis ins Unendliche gesteigert und für immer gefestigt werden. Das ernüchternde Ergebnis: Millionen gefälschter Bankkonten und Kreditkartenverträge, mehr als 7 Milliarden Dollar Strafe, 5.000 verlorene Jobs. Was war passiert? „Wenn man eine Zahl vorgibt, fließt die gesamte Kreativität in die Erreichung der Zahl“, analysierte Frank Dopheide. „Die Mitarbeiter von Wells Fargo waren so damit beschäftigt, ihre irrwitzigen Zielvorgaben zu erfüllen, dass sie die Kunden und ihre Bedürfnisse darüber vollständig vergaßen.“

„Die Effizienz raubt der Arbeit die Seele“

„Alles in unserer Wirtschaft zielt heute auf Effizienz“, fuhr Dopheide fort. „Wir optimieren, was zu optimieren ist. Niemand hat mehr Spaß, niemand hat mehr einen Überblick über das große Ganze. Die Effizienz raubt der Arbeit die Seele.“ Dabei sei es letztlich die Kreativität, die uns von anderen Menschen unterscheidet, die im wahrsten Sinne des Wortes den Unterschied macht. Einen Unterschied, der übrigens erschreckend klein ist: „Statistisch betrachtet beträgt der durchschnittliche genetische Unterschied zwischen den Menschen gerade einmal 0,1 %“, so Dopheide. „Die entscheidende Variable jeder Erfolgsformel ist der Mensch.“

Der Weg aus der Effizienzfalle

Doch wie kann er gelingen, der Weg aus der Effizienzfalle? In anderen Lebensbereichen sei das kein Problem, machte Frank Dopheide klar. In der Partnerschaft zum Beispiel. „Oder haben Sie schon mal versucht, zum Hochzeitstag ein Jahresgespräch mit Zielvereinbarungen zu führen? Wenn irgendjemand von Ihnen sich das traut, dann schreiben Sie mir bitte, wie es gelaufen ist.“

Es brauche laut Dopheide also mehr Menschlichkeit in den Unternehmen des Landes. Mehr Emotionen, mehr Spontaneität, mehr Unsinn. „Wir Marketingmenschen sind gefordert, die Unternehmen aus der Effizienzfalle zu holen. Es ist höchste Zeit, die rechte Gehirnhälfte wiederzubeleben. Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat. Und wenn der Verstand mit seinem Latein am Ende ist, fällt dem Unsinn immer noch was ein.“

Text erstellt durch Maria Leipold – Text. PR. Lektorat.